Vitamin B9

Im Allgemeinen ist das Vitamin B 9 nicht unter dieser Bezeichnung bekannt, sondern unter der alternativen Bezeichnung Folsäure. Die Folsäure wurde in ihrer Wichtigkeit lange unterschätzt. Sie gehört eigentlich zu den Vitaminen der B-Gruppe und ist genau wie diese wasserlöslich, sehr lichtempfindlich und nicht hitzeresistent. Im menschlichen Organismus muss Folsäure in ausreichender Menge über die Nahrung oder entsprechende Präparate zugeführt werden, da der Körper dieses lebenswichtige Vitamin nicht lange speichern kann.

Aufgaben von Vitamin B9 (Folsäure) im Organismus

Die Bedeutung der Folsäure wurde insbesondere in Bezug auf schwangere Frauen erkannt, weil die Zellbildung eine wichtige Funktion der Folsäure ist. Dieses Vitamin ist aber auch für alle anderen Menschen wichtig. Erleidet man einen Mangel daran, muss man nämlich bereits nach einigen Monaten mit schwerwiegenden Gesundheitsstörungen rechnen. Trotz dieser wichtigen Erkenntnis nehmen aber nur 20 Prozent der Deutschen regelmäßig genügend Folsäure auf. Besonders wichtig ist eine ausreichende Folsäureversorgung aber für schwangere und stillende Frauen sowie ihre Babys und Kinder. Auch alte Menschen täten gut daran, mehr Folsäure aufzunehmen. Die Entwicklung aller wäre gestört, wenn dies nicht der Fall wäre. Bekannt ist auch, dass der Folsäurebedarf bei bestimmten Erkrankungen höher sein kann. Atemwegsentzündungen, Krebs, Alzheimerdemenz, Diabetes oder chronische Entzündungen im Verdauungstrakt können eine dauerhaft erhöhte Folsäureversorgung erfordern. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Aufnahme von Folsäure durch einen Mangel an anderen Stoffen behindert werden kann. Nimmt man beispielsweise zu wenig Vitamin B 12, zu wenig Zink oder Vitamin C auf, sind Aufnahme und Verwertung der Folsäure teilweise blockiert. Deutlich mehr Vitamin B9 (Folsäure) braucht der Organismus, wenn man viel raucht und trinkt oder die Anti-Baby-Pille einnimmt. In diesen Fällen ist eine Extrazufuhr über entsprechende Nahrungsergänzungsmittel gegebenenfalls sinnvoll.

Die Zufuhr von Folsäure über Lebensmittel

Obwohl wir in einem zivilisierten Land leben und mehr als ausreichend über hochwertige Lebensmittel verfügen, ist eine latente Folsäure-Unterversorgung bei uns immer häufiger zu finden. Wir geben immer öfter Convenience-Food aus dem Lebensmittellabor, Dosennahrung, Fastfood oder minderwertigen, industriell hergestellten und stark verarbeiteten Lebensmittel den Vorzug. Diese enthalten übermäßig viele Fette und hohe Mengen an Zucker neben anderen vollkommen überflüssigen Zutaten wie Emulgatoren, Aromen oder Füllstoffen. Gesunde und frisch zubereitete Gemüse oder Obst kommen in vielen Familien immer seltener auf den Tisch. Dem entsprechend ist die Versorgung mit Vitamin B9 (Folsäure) in West- und Mitteleuropa schlechter als sie sein müsste. Dass sie in Hungerregionen der Welt niedrig ist, kann man noch nachvollziehen. Wir müssen die Folsäure aber täglich zuführen, weil die körpereigenen Depots schnell leer sind. Gemindert wird die Aufnahme aus der Nahrung durch Fastfood-Vorlieben, Alkoholmissbrauch und zu langes Kochen oder Braten von Lebensmitteln, die an sich einen guten Folsäuregehalt vorweisen können. Bevorzugt enthalten Weizenkleie, Rinderleber oder grünes Gemüse höhere Mengen an Vitamin B 9. Wer gerne und häufig Brokkoli, Rosenkohl oder Spinat verzehrt, versorgt sich gut. Nicht zu verachten ist der Folsäuregehalt von Orangen, Vollkornprodukten oder Weißkohl. Auch mit Folsäure angereicherte Säfte sind in Ordnung, solange man nicht mehr als die empfohlene Tagesdosis zu sich nimmt.

Bedeutung einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin B9

Wir rechnen die Folsäure heute zu den lebenswichtigen Vitalstoffen. Ihre Aufnahme im Körper erfolgt über die Darmschleimhaut, gespeichert wird sie aber in der Leber. Der Organismus setzt die Folsäure an verschiedenen Stellen im Körper ein und baut sie dazu jeweils nach Bedarf um. Ohne Folsäure wäre der menschliche Organismus nicht überlebensfähig. Ohne das Zutun von Folsäure gäbe es beispielsweise kein Zellwachstum. Auch die Herstellung der DNA ist ohne die Folsäure undenkbar, weil sie für die Herstellung gewisser Co-Enzyme benötigt wird, die diese Aufgabe übernehmen. Verschiedene Körpergewebe haben eine höhere Erneuerungsrate – also einen erheblichen höheren Zellaustausch – als andere und benötigen die Folsäure als Helfer für die schnelle Zellneubildung. Der Fettstoffwechsel oder der Proteinstoffwechsel sind ebenfalls vom Vorhandensein von Folsäure abhängig. Summa summarum: Wir müssen wohl oder übel unseren täglichen Input an Vitamin B 9 (Folsäure) steigern, wenn wir dauerhaft gesund bleiben wollen. Kein Embryo könnte sich wegen der geschilderten Zusammenhänge ohne ausreichend Folsäure richtig entwickeln, kein alter Mensch könnte gesund bleiben. Man kann das Vitamin B 9 aber auch vorbeugend in der Krankheitsprävention einsetzen. Nachlassende Gedächtnisleistungen im Alter können damit ebenso therapiert werden wie ein altersbedingter Hörverlust oder klinische Depressionen. Bei Kindern und Jugendlichen kann man die Hirnleistungsfähigkeit durch Folsäuregaben steigern.